Liebesstil-Analyse

Liebesstile und die Auswirkungen auf die Tragfähigkeit von Beziehungen, darum geht es hier.

Lässt sich Liebe wie andere, z. B. die Persönlichkeit betreffende Merkmale messen? Wenn ja, haben die Ergebnisse praktische Relevanz? Beide Fragen sind heute nach Jahrzehnten Forschungsarbeit eindeutig mit „Ja“ zu beantworten, insbesondere die Frage nach der praktischen Relevanz, die in zigtausend Fällen der Partnerschaftsberatung erfolgreich unter Beweis gestellt wurde. Frage an Sie: „Weshalb soll Mann / Frau sich diese Frage nicht schon vor Eingehen einer neuen Partnerschaft stellen und sich damit einen realistischen Eindruck von den Chancen machen, die durch die harmonierenden Liebesstile gegeben oder gemeinsam zu entwickeln sind“?

Bevor wir aber näher auf den Test eingehen, geben wir Ihnen einige Hinter-Grundinformationen, insbesondere zur Begriffsbestimmung.

Als einer der ersten hat Rubin 1970 eine psychologische Definition von Liebe vorgeschlagen. Er versteht unter Liebe eine interpersonale Einstellung, die Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen bestimmt. Als wichtige Faktoren nennt er Zugehörigkeit und Abhängigkeit, das Sorgen für den Partner, Befriedigung eigener Bedürfnisse, Vertrauen, Nähe und Ausschließlichkeit.

1988 haben Shaver, Hazan und Bradshaw diesen Komponenten drei für die Evolution bedeutsame Verhaltenssysteme zugeordnet: Sexualität (Reproduktion), Umsorgen (elterliche Fürsorge) und Bindung. Andere Forschungsergebnisse wie die Trennung zwischen leidenschaftlicher Liebe und kameradschaftlicher Liebe (Berscheid und Walsters 1974) wie auch die Unterscheidung von Intimität, Leidenschaft und Bindung (Sternberg 1988) korrespondieren mit diesen grundlegenden Formen der Liebe.

Ausformung als auch Ausdifferenzierung der genannten Komponenten der Liebe unterliegen natürlich dem kulturellen und historischem Wandel. Kulturelle Schemata, in unserer Zeit durch die Medien transportiert, bestimmen, wie stark entweder die Leidenschaft, die pragmatische oder die altruistische Variante ausgeprägt sind. So wird man bei Befragungen z. B. Unterschiede zwischen Deutschland West und Ost feststellen und auch innerhalb einer Partnerschaft je nach Person und Stadium der Beziehung Veränderungen messen können.

Von Lee wurde 1973 eine Theorie entwickelt, die dieser Variabilität und Differenziertheit am ehesten gerecht wird. Nach einer Sammlung und Analyse von Liebesbeschreibungen aus Literatur und Philosophie und auf der Grundlage strukturierter Interviews entwickelte er einen mehrdimensionale Typologie von Liebesstilen, deren besonderer Vorteil darin liegt, dass sie das gesamte Spektrum von kognitiven und emotionalen Facetten der Liebe umfasst. Damit legte er die Grundlagen zur Erarbeitung so genannten psychometrischer Skalen, die unabhängige Liebesdimensionen erfassen.

Um die Gleichwertigkeit der verschiedenen Stile oder Arten von Liebe zu betonen, verwendet Lee die Analogie der Farben: aus der Kombination von Grundfarben entstehe neue Farben, die ebenfalls wieder gemischt werden können. Farben stehen gleichberechtigt nebeneinander. Welche man für sich bevorzugt, ist vom individuellen Geschmack abhängig. Diese Analogie lässt sich auf Liebe übertragen. Schon bei oberflächlicher Betrachtung wird erkennbar, dass die subjektiven Einschätzungen von romantischen Beziehungen zahlreiche Nuancen aufweisen. Dieser Vielfalt wird mit dem Gleichnis der Farben Rechnung getragen. Außerdem verweist die Analogie auf die Vorstellung, dass sich die Vielfalt der Farben auf bestimmte Grundfarben zurückführen lässt. Für Liebe lässt sich vermuten, dass sich die vielen Nuancen der Liebe auf bestimmte Grundthemen zurückführen lassen.

Lee unterteilt die Liebesstile in drei Primär- und drei Sekundärstile, wobei sich diese Unterscheidung in weiteren Untersuchungen noch stärker beweisen muss. Das sollte Sie aber nicht stören, da bei der Entwicklung der Skalen zur Messung der Liebesstile davon ausgegangen wurde, dass die drei primären und die drei sekundären Liebesstile gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Und so sind die verschiedenen Liebesstile von Lee definiert worden.

Romantische Liebe (Eros)

Unmittelbar Anziehung der anderen Person: „Sie zu sehen heißt sie zu lieben“. Liebe ist eine unmittelbare Erfahrung, die eine physiologische Erregung auslöst. Außerdem ist ein sexuelles Interesse am Partner vorhanden.

Spielerische Liebe (Ludus)

Liebe als Spiel mit unterschiedlichen Partnern, ohne Gefühle ernst zu nehmen, bestimmt durch Verführung und die Idee der sexuellen Freiheit. Versprechen sind im Augenblick wahr, aber ohne Langzeitperspektive, da sie nur auf das Hier und Jetzt bezogen sind. Die grundlegende Einstellung ist egozentrisch bis ausbeuterisch.

Freundschaftliche Liebe (Storge)

Liebe als Resultat einer engen Freundschaft, die sich über eine längere Zeit als „sicherer Hafen“ entwickelt hat, ohne dass sehr intensive Gefühle vorherrschen; oft auf der Grundlage gleicher Interessen oder eines gleichen sozialen Hintergrunds entstanden. Gemeinsame Aktivitäten stehen im Vordergrund, während sexueller Kontakt wenig betont wird und oft erst relativ spät einsetzt.

Besitzergreifende Liebe (Mania, aus Eros und Ludus kombiniert)

Liebe als verabsolutiertes Gefühl, das alles beherrscht, dem Partner / der Partnerin wenig Freiraum lässt und soziale Normen in den Hintergrund drängt, verbunden mit dem Streben, die Aufmerksamkeit des Partners / der Partnerin auf sich zu ziehen, ebenso die Neigung zu intensiver Eifersucht. Es tritt eine Tendenz auf, den Partner / die Partnerin als Zielperson zu idealisieren. Andererseits besteht die Neigung, ohne Rücksicht auf die Wünsche des Partners / der Partnerin dessen / deren Abhängigkeit und Verfügbarkeit sicher zu stellen. Trennung wird ängstlich vermieden.

Pragmatische Liebe (Pragma, aus Ludus und Storge kombiniert)

Hier liegt die Betonung auf Kompatibilität der Partner und gegenseitiger Bedürfnisbefriedigung. Die vielfach angewandte Methode, mit Hilfe von Vermittlungsinstituten einen Partner zu finden, entspricht dieser Tendenz. Ausgangspunkt für diese Einstellung ist die Zielvorstellung, dass es wünschenswert und nützlich wäre, einen passenden Partner zu suchen (z. b. um die eigene Einsamkeit zu überwinden, um sich eine größere Wohnung leisten zu können oder um Kinder bekommen zu können). Liebe wird nur in eine „wertvolle“ Person investiert.

Altruistische Liebe (Agape, aus Storge und Eros kombiniert)

Im Vordergrund steht die Sorge um den Partner / die Partnerin und die Hilfe zur Überwindung seiner / ihrer Probleme. Diese Einstellung ist mit Selbstlosigkeit und Zentrierung der Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse des Partners / der Partnerin verbunden, wobei dessen / deren Fehlverhalten schnell verziehen wird. Man spricht von einer altruistischen Transformation, wenn die Konsequenzen einer Beziehung nicht an den eigenen Gefühlen und Zielen beurteilt werden, sondern nach den Gefühlen und Zielen des Partners / der Partnerin.

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Sie können sich die Fragen und das Musterprofil in Ruhe anschauen und dann dazu entschließen, ob Sie die professionelle Auswertung nur mit der schriftlichen Interpretation zu einem Preis von 25 Euro oder ergänzend eine persönliche Interpretation im Coaching-Gespräch (ca. 30 Minuten) mit einem Honorar von 55 Euro bei uns wünschen. Ein Coaching-Gespräch bei Ihnen wird wahrscheinlich zu teuer bzw. empfiehlt sich in Verbindung mit anderen Testauswertungen.

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